Qualitative Forschung: Ziele, Methoden Und Auswertungsverfahren

Video: Qualitative Forschung – Methodologie und Auswertung qualitativer Interviews

Die qualitative Forschung basiert, im Vergleich zur quantitativen, auf einen dynamischen Prozess und stellt die Sicht der Probanden im Zentrum der Forschungsinteresse. Die Daten werden meistens durch nicht statistischen Verfahren analysiert. Die qualitative Forschung kann sich unterschiedlichen Methoden bedienen – Interview oder Gruppendiskussion, Beobachtung oder Einzelfallstudie, qualitative Inhaltsanalyse oder Experimente. In diesem Video erfahren Sie mehr über die Ziele, Methoden und Auswertungsverfahren in der qualitativen Forschung.

Transkription

Herzlich willkommen beim GWriters-Videoblog!

Guten Tag und herzlich willkommen zu einem weiteren GWriters Video Blog. GWriters ist eine akademische Agentur, die sich auf Lektorate, Coachings und die wissenschaftliche Begleitung bei der Erstellung ebensolcher Texte spezialisiert hat. Heute möchte ich mich gerne mit Ihnen über ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang unterhalten, nämlich über das Thema der qualitativen Forschung. Qualitative Forschung, vielleicht für viele von Ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Und heute möchten wir diese sieben Siegel ein wenig öffnen, auch wenn es keine sieben sind, sondern bei uns erst mal nur drei. Aber das reicht schon. Zuerst einmal das Thema Methoden und Unterschiede, was ich Ihnen ein wenig näher bringen möchte. Dann das Thema Auswertung, welche Verfahren gibt es? Was ist bei Auswertungen im Rahmen der qualitativen Forschung zu beachten? Und zum Schluss noch ein paar Tipps und Tricks. Und auf dem nächsten Tafelbild werden Sie jetzt gleich noch mehr Details sehen, wie wir dieses Thema noch vertiefen können.

Qualitative Auswertung – Ziele

Zunächst einmal warum machen wir überhaupt eine qualitative Auswertung? Was ist Idee und was ist Ziel einer qualitativen Auswertung? Idee ist, dass die Untersuchungsgruppe in Anführungszeichen „sprechen soll“. Ziel Ihrer Forschung ist es also in Erfahrung zu bringen, was sagt die Untersuchungsgruppe, wer das auch immer ist darauf kommen wir gleich zu sprechen, zu einem bestimmten Thema, zu einer bestimmten Fragestellung mit dem Ziel letztlich, bekannte Phänomene zu untersuchen, Phänomene, die Ihnen die Untersuchungsgruppe nahe bringt, die vielleicht auch bisher in der Literatur noch gar nicht umfassend erforscht oder erhoben sind, um am Ende hieraus neue Theorien ableiten zu können.

Untersuchungsgruppe = Experteninterview?

Nun, wer kann die Untersuchungsgruppe sein? Die Untersuchungsgruppe können natürlich erst einmal Experten sein. Experten, die zu diesem Fachgebiet, zu dieser Themenstellung etwas in Anführungszeichen „zu sagen haben“, die Experten auf diesem Gebiet sind. Die Untersuchungsgruppe kann aber auch, auch wieder ein Anführungszeichen, Menschen wie du und ich sein, wenn Sie denken nur an eine Straßenbefragung, an ein Experiment, an ein Panel beispielsweise, im Rahmen dessen Sie die Wirkung von verschiedenen Marketing- oder Werbemaßnahmen beispielsweise auf eine bestimmte Zielgruppe oder auch auf die Menschen in der Fußgängerzone untersuchen möchten. Eine Untersuchungsgruppe kann aber auch sein, dass Sie Teilnehmer beispielsweise einladen zu einem bestehenden Experiment in der Psychologie beispielsweise, in der Medizin, dass sie Vergleichsgruppen bilden, Benchmarks bilden und so weiter und so weiter und so weiter. Ein Stückweit kann auch eine Untersuchungsgruppe Input bekommen aus der Literatur oder Literaturinput kann ein Stückweit die in Anführungszeichen Untersuchungsgruppe darstellen, wenn ihn beispielsweise die Experten nicht mehr aufgrund Alter oder körperlicher Situation für ein persönliches Gespräch zur Verfügung stehen, aber es eben dann schriftliche Dokumente gibt. All das kann sich hinter der Untersuchungsgruppe verbergen. Sie sehen also ein relativ breites und weites Feld, was sich dahinter verbergen kann. Und genauso breit und weit sind sicherlich die Methoden, die zur Anwendung kommen, aber auch die Auswertungen.

Forschungsmethoden

Ich habe mich heute einmal auf drei ganz wesentliche und ganz wichtige Methoden beschränkt, die in der qualitativen Forschung häufig zum Tragen kommen. Das ist zum einen insbesondere das Interview. Das Interview kann in vielfältiger Art und Weise stattfinden und ausgewertet werden.

Narratives Interview

Wir haben einmal beispielsweise das sogenannte narrative Interview, in dem Sie mit Ihrem Gegenüber, der Untersuchungsgruppe in Anführungszeichen, in das Gespräch kommen, mehr eine erzählende Komponente hier zum Tragen kommt und dann aus den Erzählungen, aus den Erfahrungen der Untersuchungsgruppe heraus Sie wissenschaftliche Schlüsse ziehen können.

Problemzentriertes Interview

Zum anderen kann innerhalb der Interviews auch das sogenannte problemzentrierte Interview unterschieden werden. Beim problemzentrierten Interview werden Sie stärker noch als beim narrativen Interview die Fragestellung, die Sie innerhalb Ihrer wissenschaftlichen Arbeit verfolgen oder verfolgen möchten in den Mittelpunkt stellen.

Leitfadeninterview

Und die letzte Form, die eine wichtige Rolle spielt oder eine wichtige Bedeutung hat und sehr, sehr gängig ist, ist das leitfadengestützte Experteninterview. Das kann mit Leitfanden stattfinden, dann heißt es leitfadengestütztes Experteninterview. Es kann aber auch ohne Leitfaden stattfinden, dann hieße es, es ist NUR in Anführungszeichen ein Experteninterview. Was steckt dahinter? Welche Idee steckt dahinter? Wie ich schon kurz angedeutet habe hier wollen Sie bewusst Experten zur Sprache kommen lassen und nicht wie bei den anderen zwei Interviewformen, wo Sie sicherlich eine breite Vielfalt, eine breite Masse von Menschen zur Sprache kommen lassen, hier liegt bewusst der Fokus auf den Experten und der Leitfaden soll Ihnen letztlich helfen, durch das Interview zu führen. Es ist kein Fragenkatalog im klassischen Sinne, es sind letztlich Stichworte, Anhaltspunkte, damit Sie als Interviewer einen roten Faden haben und wissen welche Punkte Sie im Interview anzusprechen haben (unv.) Ihr Interviewpartner auch manchmal diese rote Linie vielleicht ein wenig verlässt.

Gruppendiskussion

Eine weitere wichtige Methode, die ganz wichtig ist für die qualitative Forschung, ist die Gruppendiskussion, die Sie beobachten können, die Sie aufnehmen können, die Sie filmen können, die Sie, wir kommen nachher darauf, transkribieren können, also indem Sie eine Gruppendiskussion erfahren, erleben und aus dieser Gruppendiskussion heraus dann auch Rückschlüsse ziehen, wissenschaftliche Erkenntnisse ziehen.

Beobachtung

Und zuletzt das Thema “Beobachten”. Was kann man beobachten? Man kann Verhalten beobachten, sind wir wieder bei dem Thema Experiment, wenn Sie an die Sozialwissenschaften denken, wenn Sie an die Psychologie denken, wenn Sie insbesondere auch an Marketing denken, denken Sie daran Sie möchten feststellen ob beispielsweise zu Luxusgütern ein besonderes Verhalten gezeigt wird im Vergleich zu Gebrauchsgütern. Dann könnten Sie Menschen Luxusgüter zeigen, könnten versuchen herauszufinden was assoziieren Menschen mit Luxusgütern, was assoziieren Menschen mit Gebrauchsgütern und diese Beobachtungen würden Sie notieren und dazu versuchen Verallgemeinerungen abzuleiten, wenn Sie das mit vielen Menschen machen diese Beobachtungen. Das wären mal drei ganz grundsätzliche Methoden, die angewendet werden können und Sie sehen schon das ist sehr, sehr vielfältig dieser Bereich sehr, sehr vielfältige Möglichkeiten, die es hier gibt. Aber ich glaube mit diesen drei Methoden haben Sie jetzt schon gut gesehen in welche Richtung es gehen kann in der qualitativen Forschung.

Interview transkribieren – die Basis einer qualitativen Auswertung

Von der Wahl der Methoden hängt dann natürlich auch ein Stückweit die Auswertung oder die Auswertungsform ab. Hier haben wir zum einen das Thema Transkription. Transkription heißt nichts anderes als Verschriftlichung. Das heißt immer dann, wenn Sie auf der Methodenseite Tonbandaufnahmen, Audioaufnahmen oder Videoaufnahmen haben werden, dann müssen Sie diese selbstverständlich für Ihre wissenschaftliche Arbeit verschriftlichen, weil Sie benötigen ja die Informationen, um diese dann verarbeiten zu können. Von daher kann man sagen alle Methoden, die einen Audiooutput in welcher Form auch immer liefern, müssen erst einmal eine Transkribierung erfahren. Das können Sie selber machen, was aber zugegeben relativ zeitaufwendig ist oder Sie geben das an ein professionelles Transkriptionsstudio, das das Ganze für Sie übernimmt. Meistens werden Sie hier auch auf eine Software zurückgreifen, weil das in der Transkription ganz besondere Zeichen gibt, Zeitmarken, Auslassungszeichen und dergleichen, die dann auch entsprechend gesetzt werden.

Qualitative Inhaltsanalyse – Mayring

Häufig ist auch die Transkription dann die Basis für eine qualitative Inhaltsanalyse – für die qualitative Forschung ein ganz wichtiges Instrument. Diese qualitative Inhaltsanalyse baut im Wesentlichen auf den Erkenntnissen von Mayring auf, der diese Methodik aus anderen Methodiken heraus entwickelt und weiterentwickelt hat. Die Idee dieser qualitativen Inhaltsanalyse ist es, aus Erkenntnissen heraus, die Sie dann aus der Transkription ziehen, eine Generalisierung zu erreichen. Man kann also sagen vom Speziellen zum Allgemeinen zu kommen, weil Sie werden ja hier aus Interviews, aus Gruppendiskussionen aber auch aus Beobachtungen eine Vielzahl auch eine Vielfalt von Informationen erhalten und diese müssen Sie auf einen wichtigen Punkt reduzieren und da kann Ihnen die qualitative Inhaltsanalyse sehr, sehr gute Dienste leisten. Sie funktioniert in Anführungszeichen im Wesentlichen mit der Idee der sogenannten Kodierung. Kodierung bedeutet, wenn Sie jetzt beispielsweise ein Experteninterview haben, dieses transkribiert haben, dann haben Sie einen Text vor sich liegen und dann werden Sie diesen Text nach verschiedenen Codes durchgehen. Codes sind letztlich Markierungen und mit Hilfe dieser Markierungen versuchen Sie einzelne Textstellen zu einzelnen Aussagen zusammenzufassen. Und der Trick bei der Geschichte ist jetzt, dass Ihnen ja nicht nur EIN Interview vorliegt, sondern dass Ihnen mehrere Interviews vorliegen und dann können Sie die Ergebnisse all dieser Interviews zusammenführen, können alle einzelnen Interviews mit den gleichen Codes abgleichen und kodieren. Und Sie sehen schon was dann am Ende als Ergebnis kommt. Dann haben Sie aus einer großen Menge an Interviews ein Extrakt von zentralen Ergebnissen und das ist im Grunde genommen die Idee der qualitativen Inhaltsanalyse.

Qualitative Methoden: Grounded theory

Ein wenig eine andere Vorgehensweise findet sich in der sogenannten Grounded Theory. Die Grounded Theory ist auch eine sehr, sehr gängige Forschungsmethodik, die insbesondere dann angewendet wird, wenn Ihnen jetzt beispielsweise KEINE empirischen Daten zur Verfügung stehen, sondern wenn Sie beispielsweise Ihre Auswertung jetzt rein auf Basis einer Literaturanalyse machen. Hier kann Ihnen die Grounded Theory helfen, weil die Grounded Theory folgendermaßen vorgeht. Sie erfassen eine Information aus der Literatur, Sie bewerten, beurteilen dann diese Information aus der Literatur mit entweder zusätzlich gewonnen empirischen Erkenntnissen oder anderen weiteren Erkenntnissen aus der Literatur, um daraus wiederum zu einem Ergebnis zu kommen und DIESES Ergebnis, was daraus raus kommt, spiegeln Sie wieder zu anderen Erkenntnissen aus der Literatur oder aus der Empirie, so dass das ein permanenter iterativer Prozess ist das Abgleiches von altem mit neuem Wissen. Altes und neues Wissen gibt ein Extrakt ein Ergebnis und dieses Extrakt vergleichen Sie wieder mit der Summe aus altem und neuem Wissen, was wiederum ein weiteres Extrakt gibt. Und das führt Sie durch die ganze Arbeit hindurch, so dass Sie am Ende aus den ganzen Vergleichen heraus das zentrale Ergebnis oder die zentrale Ergebnisse erhalten werden aus bekannter Literatur, aus neu erhobener Literatur und gegebenenfalls neuen Erkenntnissen aus Ihrer empirischen Analyse und dann ganz genau das Ziel erreichen können, was eine qualitative Forschung möchte, nämlich neue Theorien auf Basis bisher unbekannter oder nicht hinreichend erläuterter Phänomene in Erfahrung zu bringen. Das sind die wesentlichen Auswertungsverfahren, die es gibt.

Tipps für eine erfolgreiche qualitative Forschung

Ja, Tipps. Tipps habe ich Ihnen glaube ich jetzt an der einen oder anderen Stelle immer schon mal wieder gegeben. Der allerwichtigste Tipp, den ich Ihnen hier an dieser Stelle im Bezug auf die qualitative Forschung noch geben möchte – arbeiten Sie sehr, sehr sauber. Mit sehr, sehr sauber meine ich dokumentieren Sie nicht nur Ihre Ergebnisse, sondern dokumentieren Sie insbesondere die Art und Weise der Methodik und die Art und Weise der Auswertung. Schildern Sie auch ruhig Probleme und Schwierigkeiten, die aufgetreten sind und schildern Sie wie Sie dann auf diese Probleme und Schwierigkeiten reagiert haben. Das ist im Rahmen einer qualitativen Forschung ganz wichtig. Das Ergebnis Ihrer Arbeit wird also nicht nur beurteilt im Hinblick auf das, was unter den Begriff der neuen Theorien erscheint, sondern auch ob Sie das Verfahren/ die Methodik, die Sie angewendet haben ob Sie die sauber angewendet haben, die Ergebnisse entsprechend dokumentiert haben, eine saubere Transkription gemacht haben, die qualitative Inhaltsanalyse nach den Ideen, die Mayring verfolgt hat durchgegangen sind, diese konsequent angewendet haben, um dann am Ende final zu dem Ergebnis zu kommen. Hier ist also methodisch ein sehr, sehr sauberes Arbeiten ein wissenschaftlich sauberes Arbeiten, notwendig. Das ist aber auch, und das ist ganz wichtig, zu dokumentieren gilt. Und dieser Dokumentation werden im Rahmen qualitativer Forschungsarbeiten oder wissenschaftlicher Arbeiten, die einen qualitativen Teil haben, in der Regel auch gesamte Kapitel entsprechend gewidmet.

Fazit – Unterstützung bei der qualitativen Forschung durch Experten

Das soll es erst einmal gewesen sein für einen kleinen Überblick in die qualitative Forschung. Die wesentlichen Methoden, die Auswertung und die Tipps. Denken Sie hier insbesondere wichtig an die Dokumentation. Ja und wenn Sie Unterstützung brauchen beim Thema “qualitative Forschung”, Hilfestellung, vielleicht auch beim Thema Transkription oder auch in der Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse selber, dann ist GWriters natürlich hier gerne Ihr Partner, sei es jetzt in der Unterstützung oder entsprechend beim Coaching. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Glück, viel Erfolg bei der Anwendung der qualitativen Forschungsmethoden.