Anonymous- ein Film von Roland Emmerich, Filmkritik

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Originaltitel: “Anonymous”
Originalsprache: Englisch
Deutscher Titel: “Anonymus”
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: 131 Minuten
Drehorte: Deutschland, UK
Altersfreigabe: FSK 12
Drehbuch: John Orloff
Regie: Roland Emmerich
Bekannte Schauspieler: Rhys Ifans, Jamie Campbell Bower, Joely Richardson

Ghostwriter oder Shakespeare – das ist hier die Frage!

Nomen est omen: Der Name Emmerich steht für viele als Synonym für Filme, die man unbedingt sehen will. Ob “Independence Day”, “Godzilla”, “The day after tomorrow”, der Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor Roland Emmerich birgt zwar nicht unbedingt für Anspruch, aber jedenfalls für “grosses Kino” – sollte man meinen. Und dann erscheint 2011 der 30 Millionen US-Dollar teure Film Anonymus (lateinisch) oder Anonymous (englisch) in den Kinos und Emmerich purzelt von dem rosaroten Sockel, dem ihm sein Publikum errichtet hat. Warum?

Worum geht es in dem Film? Ganz einfach. Emmerich lässt William Shakespeare, noch heute bekannt und geliebt als einzigartiger Dichter Englands, Stückeschreiber und Schauspieler, ein unbedingtes Muss für jeden Liebhaber des Wortes und der Poesie und der heutigen Abiturientenschaft, in seinem Film zum üblen Schauspieler, Dummschwätzer, Intriganten und Dieb gedanklichen Eigentums degenerieren, der noch nicht einmal des Schreibens mächtig gewesen sein soll. Der Film stellt dar, wie der unbedeutende Theaterschauspieler William Shakespeare, genannt Will, die vollendeten Theatermanuskripte von Edward de Vere, dem Earl of Oxford, als die eigenen ausgibt –denn letztgenannter darf sich als Adliger nicht die Blöße geben, etwas mit der als teuflisch verpönten Poesie zu tun zu haben und das vulgäre Theater zu lieben- und dessen sensibel geschriebenen und klangvoll komponierten Worte schließlich zur Wonne des theaterverliebten Pöbels zur hochgefeierten Aufführung bringt. So entlarvt Emmerich den englischen Helden der Dichtkunst als unkultivierten, halsabschneiderischer Scharlatan und Betrüger, der die Werke eines adligen Ghostwriters auf die Bühne bringt und aus purer Geltungssucht und Geldgier den Ruhm des wahren Dichters für sich einheimst. Tragischer Held des Films ist der sensible Earl de Vere (gespielt von Rhys Ifans), dem die höfische Etikette gebietet, sein geistiges Eigentum, Gedichte, Komödien und Tragödien, aus den Händen zu geben und sich anonym als Ghostwriter zu bescheiden. Mit dieser Figur leidet der empfindsame Zuschauer. Denn Emmerich lässt den heimlich dichtenden Earl zur Untermauerung seines tragischen Schicksals auch noch alle erdenklichen Katastrophen durchleiden; ob Intrigen und Erpressung, Vermögensverlust und Inzucht, dem Earl bleibt nichts erspart. So erklingt denn auch zur erzwungenen Hochzeit des armen Earls Mozarts Requiem, welch grausamer Spott.

Dass William Shakespeare wohlmöglich nicht alle Texte selbst verfasst hat, sondern einen oder mehrere Ghostwriter an seiner Seite hatte, ist für Eingeweihte mehr als nur ein Gerücht. Ist doch auch gar nicht so schlimm, wenn wir unter einem bedeutenden Namen die ganz große, immer wieder gern gelesene Dichtkunst subsummieren und kategorisieren können. Aber mal ehrlich, ist es nicht jenseits des guten Geschmacks, wenn der gerühmte Name eines Nationalhelden und genialen Schöpfers des poetischen Wortes dermaßen verunglimpft wird? Was tun wir unseren Kindern an, wenn wir ein solches kulturelles Erbe auf diese Weise in den Schmutz ziehen? Unverantwortlich, Herr Emmerich. Hätten Sie doch besser einen Ghostwriter zu Rate gezogen, als Ihren eigenen Hirngespinsten freien Lauf zu lassen.

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