Masterarbeit Thema

Methodisches Vorgehen bei einer Masterarbeit – Beispiele & Tipps

Was ist das Wichtigste beim Schreiben einer Masterarbeit? Eine brilliante neue Erkenntnis? Ein Beweis dafür, dass Du Dein Studienfach perfekt beherrscht? Nein. Was benotet wird, ist Deine Fähigkeit wissenschaftlich zu arbeiten. Deshalb ist methodisches Vorgehen bei einer Masterarbeit wichtiger als chaotisches Genie. Außerdem kann die richtige Methode eine Menge Zeit sparen!

Die Fragestellung sagt, wo’s lang geht!

Der Grundstein für eine gelungene Masterarbeit ist eine klare, abgegrenzte Fragestellung. Die meisten Studenten haben schon einmal erlebt, wie ihre Arbeit während des Schreibens ein Eigenleben entwickelt hat und ganz woanders hingelaufen ist als geplant. Natürlich ist diese kreative Eigenleistung auch ein Stück weit wichtig, aber trotzdem kannst Du einige Schritte unternehmen, um zu vermeiden, dass Du die Kontrolle verlierst. Dazu musst Du anhand einer konkreten Fragestellung einen Fahrplan für die Masterarbeit entwickeln. Innerhalb dieser Grenzen kommt dann die intellektuelle Eigenleistung zum Tragen.
 
Beispiel: Du hast beobachtet, dass in letzter Zeit vermehrt Lippenpflegeprodukte in Döschen- statt in Stick-Form auf den Markt kommen und wunderst Dich warum. Forschungsliteratur legt nahe, dass Sticks hygienischer sind als Döschen, weil man nicht mit den Fingern hinein langt. Das möchtest Du untersuchen! Aber wie?

  • Variante 1: Du analysierst Werbebotschaften auf der Suche nach einer Erklärung.
    Fragestellung: Sind Werbebilder (von Luxus/ Weiblichkeit etc.) dafür verantwortlich, dass Lippenpflege-Kundinnen zu Döschen-Produkten greifen?
  • Variante 2: Du führst Interviews durch, um herauszufinden, was die Kundinnen mit beiden Darreichungsformen verbinden.
    Fragestellung: Was motiviert Konsumentinnen von Lippenpflegeprodukten zur Wahl von Döschen-Produkten?

Der größte Fehler in Sachen Fragestellung ist, keine zu haben. Das passiert oft, weil sich die konkrete Frage erst entwickelt, wenn man die Literaturrecherche vollständig bewältigt hat. Und alles zu lesen, dauert eben einen Großteil der Zeit. Wie löst Du dieses Dilemma?

Literatur unterscheiden: Was wird gesagt und warum?

Wissenschaftliches Schreiben soll verlässliches Wissen produzieren, deshalb findest Du in allen Werken Thesen und ihre Begründungen. Bevor Du anfängst zu schreiben, solltest Du den größten und/oder wichtigsten Part Deiner Literatur begutachtet haben: Unterscheide beim Lesen zwischen dem, was die Literatur aufstellen möchte, ihrer Behauptung oder These, und zwischen dem, was sie zu dessen Verteidigung und Begründung anbringt.

Der Trick ist: Was gesagt wird, kannst Du von jedem Buch in einer Stunde erlesen: Lies die Einleitung, den Schluss, das Inhaltsverzeichnis und ein bisschen zwischen den Seiten. Dann notiere Dir, was die Aussage ist. Warum das so sein soll, also die Begründungen, kannst Du dann immer noch später prüfen, beim Schreiben. So kannst Du Deine eigene Strategie aufstellen ohne alles gelesen haben zu müssen.

Literatur sortieren – Schritt für Schritt

Wenn Du Deine Fragestellung und Deinen Fahrplan (diesen Artikel zur Gliederung solltest Du Dir unbedingt anschauen) hast, kannst Du anfangen, die Literatur den einzelnen Kapiteln zuzuordnen. So vermeidest Du, stundenlang zu lesen anstatt zu schreiben. Lies’ am Anfang das Hauptwerk oder eine gute Einführung und die wichtigsten Beiträge zu einem Thema, und später immer nur, was Du inhaltlich zu diesem Kapitel sortiert hast. So rückst Du Schritt für Schritt Deinem Ziel näher. Außerdem vermeidest Du so auch das typische „Ich weiß, ich habe das gelesen, aber habe vergessen, wo es steht!!!“
 
Beispiel:
Titel: Lippenpflegeprodukte im Wandel der Zeit
Aussage: Lippenpflege gehört zur modernen Frau.
Begründung: 1. Lippenpflege ist eine Tätigkeit, die einen verführerischen Unterton hat, aber trotzdem gesellschaftlich akzeptiert ist. 2. Lippenpflege sendet die Botschaft aus, dass die Frau sich um ihre eigene Ästhetik und „Küssbarkeit“ kümmert.
Wichtig für das Kapitel: Werbebotschaften von Lippenpflegeprodukten
Titel: Celebrity Marketing – Wie Frauenrollen vorgelebt werden
Aussage: Lippenpflege-Döschen sind das Ergebnis einer speziellen Marketingstrategie einer Firma. Begründung: 1. Kim Kardashian, Miley Cyrus und Taylor Swift wurden mit Döschen der Marke E abgelichtet. 2. Seitdem sind andere Marken auf den fahrenden Zug gesprungen.
Wichtig für das Kapitel: Weibliche Rollenbilder

Zitieren ist wie Putzen: Mach‘ es gleich, sonst wird’s eklig!

Formales Zitieren ist sicher nicht die schönste Seite am wissenschaftlichen Schreiben. Aber man muss auch keine Angst davor haben. Mache Dich mit den von Deiner Uni geforderten Zitierregeln vertraut und wende sie von Anfang an an. Folgende Artikel können Dir dabei nützlich sein:

Mache nicht den Fehler, alles blind herunterzuschreiben, weil Du Deinen kreativen Flow nicht unterbrechen willst, und Dir vorzunehmen, es dann nachher mit Belegen zu unterfüttern: Das Kurzzeitgedächtnis ist äußerst trügerisch, was konkrete Seitenzahlen und Formulierungen angeht. Schreibe Deine Zitate in korrekter Form, entweder sofort, oder zumindest einmal nach jedem Absatz. Solltest Du Dir zum Schluss dennoch unsicher sein, ob Du alle Quellen auch wirklich richtig angegeben hast, kann sich eine professionelle Plagiatsprüfung oder ein wissenschaftliches Lektorat für Dich lohnen.

Ein paar Absätze machen eine Seite, ein paar Seiten ein Kapitel…

Wirre Gedanken lassen sich bezwingen, wenn Du Deine Masterarbeit in kleinen, inhaltlich abgeschlossenen Absätzen schreibst. Methodisches Vorgehen bei der Masterarbeit betrifft auch das Schreiben selbst, nicht nur die Prozesse drum herum.

Beispiel:
Der theoretische Hintergrund für Deine Lippenpflegearbeit sollte die Themen „Trends“, „Frauen“, „Marktpsychologie“ und „Werbebotschaften“ behandeln.
 
Der Unterpunkt „Frauen“ lässt sich in „Weibliche Rollenbilder“ und „Weibliches Konsumverhalten“ unterteilen.
Der spezielle Bereich „Weibliche Rollenbilder“ lässt sich gedanklich in „Celebrity-Vorbilder“, „Peers“ und „stereotype Rollenvorlagen“ unterteilen.
 
Der Gedanke, dass Rollenbilder Frauen in ihrer Selbstwahrnehmung beeinflussen, wird für alles drei separat als These aufgestellt, anhand der Fakten und Forschungsliteratur für jedes Teilgebiet extra begründet und am Ende als Ergebnis des Kapitels generell zusammengefasst. Im nächsten Kapitel „Weibliches Konsumverhalten“ zeigst Du, dass weibliche Selbstwahrnehmung das Konsumverhalten beeinflusst, wodurch für den Unterpunkt „Frauen“ gezeigt wäre, dass Frauen sich durch die Beeinflussung ihrer Rollenbilder zu speziellem Konsumverhalten motivieren lassen.

Methodisches Vorgehen zerlegt die Masterarbeit in kleine Teilstücke, sodass Du dich nicht in der Arbeit verlierst. Das spart Zeit und verbessert die Qualität des Werkes. Auch kreative Meisterleistungen profitieren von professioneller Methode!