primär und sekundärforschung

Primär- und Sekundärforschung: Unterschiede, Beispiele & Vorteile erklärt

Anna Milena von Gersdorff

(Head of Marketing)

14.01.2026

Anna Milena von Gersdorff leitet als Online-Marketing Expertin den GWriters Blog sowie alle Veröffentlichungen, Änderungen und Sonderaktionen auf unserer Webseite. Darüber hinaus ist Sie für gesamte Öffentlichkeitsarbeit und die Kommunikation mit unseren Medienpartnern zuständig.

Die sehr wichtige Wahl zwischen Primär- und Sekundärforschung ist eine grundlegende Entscheidung in jedem Forschungsprojekt. Dabei ist es egal, ob Sie eine Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation schreiben: Das Verständnis dieser beiden Forschungsansätze ist entscheidend für den Erfolg Ihrer akademischen Arbeit. Dieser Blog-Artikel erklärt Ihnen die Unterschiede, zeigt praktische Beispiele und hilft Ihnen bei der Auswahl der richtigen Methode.

Bevor Sie mit der eigentlichen Marktanalyse starten, ist es wichtig, die grundlegenden Methoden der Datenerhebung zu verstehen: Primär- und Sekundärforschung. Beide Methoden liefern wertvolle Informationen, unterscheiden sich jedoch in ihren Quellen, dem Aufwand und der Spezifität.

Inhaltsverzeichnis

Primär- und Sekundärforschung sind die beiden zentralen Methoden der Datenerhebung in wissenschaftlichen Arbeiten. Primärforschung generiert neue, spezifische Daten direkt aus der Quelle, etwa durch Umfragen, Interviews oder Experimente. Sie ist zeit- und ressourcenintensiv, liefert dafür aber exakte, aktuelle Ergebnisse. Sekundärforschung nutzt bereits existierende Daten wie Studien, Statistiken oder Berichte und ermöglicht eine schnelle, kostengünstige Analyse, hat jedoch weniger Kontrolle über die Datenqualität und Spezifität. In der Praxis werden beide Methoden oft kombiniert: Sekundärforschung dient als theoretische Basis, Primärforschung liefert gezielte Erkenntnisse. Die Wahl hängt von Forschungsfrage, Ressourcen und Zielsetzung ab.

4 häufige Fragen zum Thema Primär- und Sekundärforschung

1. Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärforschung?

Primärforschung erhebt neue, originäre Daten direkt für eine konkrete Forschungsfrage (z. B. Umfragen oder Interviews). Sekundärforschung nutzt bereits vorhandene Daten, etwa aus Studien, Statistiken oder Fachliteratur, und wertet diese neu aus.

2. Welche Methoden gehören zur Primärforschung?

Zur Primärforschung zählen unter anderem Umfragen, Interviews, Beobachtungen, Experimente und Fokusgruppen. Die Datenerhebung erfolgt dabei direkt bei der Zielgruppe oder im Forschungskontext.

3. Welche Quellen werden in der Sekundärforschung verwendet?

Sekundärforschung greift auf bestehende Quellen wie wissenschaftliche Publikationen, statistische Datenbanken, amtliche Statistiken, Marktforschungsberichte oder bereits durchgeführte Studien zurück.

4. Wann eignet sich Primärforschung und wann Sekundärforschung?

Primärforschung eignet sich, wenn spezifische, aktuelle oder noch nicht vorhandene Daten benötigt werden. Sekundärforschung ist sinnvoll, wenn bereits ausreichend Daten existieren, Zeit oder Budget begrenzt sind oder ein Überblick über den Forschungsstand gewonnen werden soll.

Was ist Primär- und Sekundärforschung? Definition und Grundlagen

Definition Primärforschung

Primärforschung bezeichnet die Erhebung neuer, bisher nicht existierender Daten, die speziell für Ihr aktuelles Forschungsprojekt gesammelt werden. Sie als Forscher gehen direkt zur Quelle und erheben die Daten erstmals. Diese Form wird auch als Feldforschung oder empirische Ersterhebung bezeichnet (siehe auch Dubey & Kothari, 2022).

Kernmerkmale der Primärforschung:

  • Erhebung originärer Daten

  • Speziell auf Ihre Forschungsfrage zugeschnitten

  • Hoher Zeit- und Ressourcenaufwand

  • Vollständige Kontrolle über den Forschungsprozess

  • Aktuelle und relevante Daten

Beispiel Primärforschung

Ein Beispiel für Primärforschung mit dem Forschungsziel der Untersuchung von Nachhaltigkeitswahrnehmung in einem bestimmten Unternehmen wäre eine selbst durchgeführte Online-Befragung von Kunden, um deren Wahrnehmung nachhaltiger Maßnahmen zu erfassen. Die erhobenen Daten wurden speziell für dieses Forschungsprojekt generiert und erhoben und lagen zuvor nicht vor.

Definition Sekundärforschung

Sekundärforschung, sprich das Forschungen anhand sekundärer Quellen, nutzt bereits vorhandene Daten, die ursprünglich für andere Zwecke erhoben wurden. Sie analysieren und interpretieren existierende Informationen neu im Kontext Ihrer Fragestellung. Diese Methode wird auch als “Schreibtisch”-Forschung oder Desk Research bezeichnet (siehe auch Topolewski, Górnikiewicz, & Stawarz, 2023).

Kernmerkmale der Sekundärforschung:

  • Nutzung bereits existierender Daten

  • Schnellerer und kostengünstigerer Zugang

  • Analyse aus neuer Perspektive

  • Abhängigkeit von der Qualität vorhandener Quellen

  • Eingeschränkte Kontrolle über Datenerhebung

Beispiel Sekundärforschung

Ein Beispiel für Sekundärforschung mit dem Forschungsziel die Mietpreisentwicklung in einem Land über einen bestimmten Zeitraum hinweg zu untersuchen. Dies geschieht anhand einer Auswertung bereits veröffentlichter Studien, statistischer Daten oder Branchenberichte (z. B. von Forschungsinstituten oder internationalen Organisationen), um bestehende Erkenntnisse zu Mietpreisentwicklungen oder Nachhaltigkeitstrends systematisch neu zu analysieren.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Primär- und Sekundärforschung

Um die richtige Forschungsmethode für Ihr Projekt zu wählen, müssen Sie die grundlegenden Unterschiede zunächst verstehen:

Kriterium

Primärforschung

Sekundärforschung

Datenquelle

Neue, selbst erhobene Daten

Bereits existierende Daten

Zweck

Speziell für aktuelle Forschungsfrage

Ursprünglich für andere Zwecke erhoben

Zeitaufwand

Hoch (Wochen bis Monate)

Gering (Tage bis Wochen)

Kosten

Höher (Personal, Material, Incentives)

Niedriger (meist nur Zugangskosten)

Aktualität

Sehr aktuell

Kann veraltet sein

Spezifität

Exakt auf Fragestellung zugeschnitten

Möglicherweise nicht perfekt passend

Kontrolle

Vollständige Kontrolle über Design

Eingeschränkte Kontrolle

Verfügbarkeit

Muss erst erstellt werden

Sofort verfügbar

Beispiele

Umfragen, Interviews, Experimente

Literaturanalyse, Statistiken, Berichte

Unterstützung bei Primär- und Sekundärforschung für Abschlussarbeiten

Unabhängig davon, ob Ihre wissenschaftliche Arbeit auf Primärforschung, Sekundärforschung oder einer Kombination beider Ansätze basiert, ist eine methodisch saubere Umsetzung entscheidend für den Erfolg Ihrer Abschlussarbeit.

Wir unterstützen Studierende, Promovierende und Forschende gezielt bei:

  • der methodischen Konzeption von Primär- und Sekundärforschung

  • der systematischen Literaturrecherche und Auswertung wissenschaftlicher Quellen

  • der Planung und Durchführung empirischer Studien (Umfragen, Interviews, Experimente)

  • der statistischen Auswertung durch erfahrene Statistik-Ghostwriter

  • der wissenschaftlich korrekten Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

Unsere Leistungen richten sich an alle, die ihre Bachelorarbeit schreiben lassen, eine Masterarbeit schreiben lassen oder professionelle Unterstützung im Rahmen einer Dissertation benötigen, insbesondere bei komplexen empirischen oder datenbasierten Arbeiten. Wir erstellen nach Ihren Anliegen eine individuelle Mustervorlage.

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Methoden Primärforschung

Primärforschung bietet verschiedene Methoden, um neue Daten zu erheben. Die Wahl hängt von Ihrer Forschungsfrage, verfügbaren Ressourcen und der Art der benötigten Informationen ab.

Quantitative Methoden der Primärforschung

1. Standardisierte Befragungen und Umfragen

Strukturierte Fragebögen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten ermöglichen die Erhebung großer Datenmengen. Online-Umfragen, Telefoninterviews oder schriftliche Fragebögen erfassen messbare Daten und Meinungen.

Anwendungsbeispiel: Befragung von 500 Studierenden zur Nutzung digitaler Lernplattformen mit standardisierten Fragen zur Nutzungshäufigkeit, Zufriedenheit und technischen Problemen.

2. Experimente

Kontrollierte Versuchsanordnungen testen Hypothesen unter definierten Bedingungen. Durch die Manipulation unabhängiger Variablen werden Ursache-Wirkungs-Beziehungen untersucht.

Anwendungsbeispiel: A/B-Testing verschiedener Website-Designs zur Messung der Conversion-Rate im E-Commerce.

3. Beobachtungen (strukturiert)

Systematische Erfassung von Verhalten nach vordefinierten Kategorien, ohne dass die beobachteten Personen beeinflusst werden.

Anwendungsbeispiel: Zählung von Kundenströmen in verschiedenen Bereichen eines Supermarkts zu unterschiedlichen Tageszeiten.

Qualitative Methoden der Primärforschung

1. Strukturierte Interviews

Qualitative Interviews ermöglichen detaillierte Einblicke in Meinungen, Erfahrungen und Motivationen der Befragten. Der Interviewer kann flexibel auf Antworten reagieren und nachfragen.

Anwendungsbeispiel: Interviews mit 20 Unternehmensgründern über ihre Erfahrungen bei der Internationalisierung.

2. Fokusgruppen

Gruppendiskussionen mit 8 bis 12 Teilnehmern erzeugen so durch Interaktion neue Perspektiven und Ideen. Ein Moderator leitet die Diskussion zu bestimmten Themen.

Anwendungsbeispiel: Diskussion mit Konsumenten über die Wahrnehmung einer neuen Produktverpackung.

3. Teilnehmende Beobachtung

Der Forscher nimmt aktiv am Geschehen teil und dokumentiert seine Beobachtungen und Erfahrungen aus der Innenperspektive.

Anwendungsbeispiel: Ethnographischen Studie zur Arbeitskultur in Start-ups durch mehrwöchige Teilnahme am Arbeitsalltag.

4. Fallstudien

Intensive Untersuchung anhand von Fallstudien einzelner Fälle oder Organisationen liefert tiefgehende Erkenntnisse über komplexe Phänomene.

Anwendungsbeispiel: Detaillierte Analyse der Digitalisierungsstrategie eines mittelständischen Unternehmens.

Methoden der Sekundärforschung

Sekundärforschung nutzt die Fülle bereits vorhandener Informationen. Die Kunst besteht darin, relevante Quellen zu identifizieren und kritisch zu bewerten.

Interne Quellen

1. Unternehmensdaten

Verkaufszahlen, Kundendatenbanken, Besucherstatistiken, interne Berichte und Protokolle liefern wertvolle Informationen für unternehmensrelevante Fragestellungen.

2. Frühere Studien

Bereits durchgeführte Marktforschungen verschiedener Arten, auch Konsumgütermarktforschung, oder interne Analysen können für neue Fragestellungen ausgewertet werden.

Externe Quellen

1. Wissenschaftliche Literatur

Fachbücher, peer-reviewed Journals, Dissertationen und Konferenzbeiträge bieten fundierte theoretische Grundlagen und empirische Befunde.

Wichtige Datenbanken

Für eine fundierte Sekundärforschung sind hochwertige wissenschaftliche Datenbanken essenziell. Wir empfehlen die Nutzung folgender Quellen:

  • Google Scholar – Umfangreiche Suchmaschine für wissenschaftliche Artikel, Konferenzbeiträge und Bücher.

  • JSTOR – Digitale Bibliothek für geistes- und sozialwissenschaftliche Fachliteratur.

  • Springer – Zugang zu Fachbüchern, Zeitschriften und Konferenzbeiträgen aus Natur- und Ingenieurwissenschaften.

  • ScienceDirect – Wissenschaftliche Artikel und Bücher, insbesondere für Natur- und Sozialwissenschaften.

2. Amtliche Statistiken

Statistische Ämter, Ministerien und internationale Organisationen veröffentlichen umfangreiche Datensätze zu demografischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen.

  • Statistisches Bundesamt (Destatis) – Offizielle deutsche Statistiken zu Wirtschaft, Bevölkerung, Bildung und mehr.

  • Eurostat – Statistiken der Europäischen Union, z. B. zu Wirtschaft, Sozialdaten und Umwelt.

  • OECD-Datenbanken – Daten und Indikatoren zu Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Gesellschaft international vergleichbar.

  • Weltbank – Globale Datensätze zu Entwicklung, Wirtschaft, Umwelt und sozialen Themen.

3. Marktforschungsberichte

Kommerzielle Studien von Marktforschungsinstituten analysieren Branchen, Märkte und Konsumtrends (siehe auch Konsumgütermarktforschung als Art der Marktforschung).

  1. GfK – Markt- und Konsumforschung mit Fokus auf Konsumgüter und Handel.

  2. Nielsen – Globale Daten zu Medien, Konsumverhalten und Marktanalysen.

  3. Statista – Statistiken und Studien zu Wirtschaft, Konsum, Technologie und Märkten weltweit.

  4. McKinsey-Reports – Branchen- und Trendstudien von McKinsey & Company.

  5. Deloitte-Studien – Analysen, Reports und Studien zu Wirtschaft, Technologie und Management.

4. Medien und Online-Quellen

Zeitungsarchive, Fachzeitschriften, Blogs, Unternehmenswebsites und Social-Media-Daten bieten aktuelle Informationen und Einblicke in öffentliche Diskurse.

5. Bibliotheken und Archive

Historische Dokumente, Zeitungsarchive und Spezialsammlungen ermöglichen Längsschnittanalysen und historische Kontextualisierung.

Hinweis: Die korrekte Quellenangabe ist entscheidend für wissenschaftliche Arbeiten. Unser Ghostwriter- und Statistik-Service hilft bei der Recherche, Aufbereitung und Analyse dieser Daten für Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten.

Primär- und Sekundärforschung: Vor- und Nachteile im Vergleich

Vorteile der Primärforschung

Nachteile der Primärforschung

Maßgeschneiderte Daten: Die Erhebung ist exakt auf die Forschungsfrage zugeschnitten und liefert genau die benötigten Informationen.

Hoher Zeitaufwand: Planung, Durchführung und Auswertung können mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Aktualität: Die Daten sind brandaktuell und spiegeln den gegenwärtigen Forschungsstand wider.

Kostenintensiv: Personal, Incentives für Teilnehmende, technische Ausstattung und Reisekosten verursachen hohe Ausgaben.

Volle Kontrolle: Design, Stichprobe, Zeitpunkt und Methodik der Erhebung liegen vollständig in Ihrer Hand.

Methodische Expertise erforderlich: Fragebogenentwicklung, Interviewführung und Datenanalyse erfordern fundiertes Fachwissen.

Exklusivität: Die erhobenen Daten sind einzigartig und können einen wissenschaftlichen oder praktischen Wettbewerbsvorteil bieten.

Zugangsprobleme: Die Rekrutierung geeigneter Teilnehmender kann schwierig und zeitaufwendig sein.

Hohe Validität: Die Daten entsprechen exakt den Forschungszielen und den festgelegten Qualitätsstandards.

Ethische Anforderungen: Datenschutz, Einwilligungserklärungen und ggf. ethische Genehmigungen müssen berücksichtigt werden.

Vorteile der Sekundärforschung

Nachteile der Sekundärforschung

Zeitersparnis: Die Daten sind bereits vorhanden und können sofort ausgewertet werden.

Eingeschränkte Passung: Die Daten wurden für andere Forschungsziele erhoben und passen nicht immer exakt zur eigenen Fragestellung.

Kosteneffizienz: In vielen Fällen fallen keine oder nur geringe Kosten an, insbesondere bei öffentlich zugänglichen Datenquellen.

Veraltete Informationen: Abhängig von Quelle und Thema können die Daten nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.

Breite Datenbasis: Zugriff auf umfangreiche Datensätze und repräsentative Studien, die selbst nur schwer oder gar nicht zu erheben wären.

Unklare Datenqualität: Methodik, Validität und Reliabilität der ursprünglichen Erhebung sind nicht immer vollständig transparent.

Gute Vergleichsmöglichkeiten: Historische Daten ermöglichen Längsschnittanalysen sowie die Identifikation von Trends und Entwicklungen.

Fehlende Kontrolle: Design, Stichprobe und Erhebungsbedingungen können nicht beeinflusst werden.

Besseres Kontextverständnis: Vorhandene Forschung hilft, das eigene Thema einzuordnen und relevante Forschungslücken zu erkennen.

Eingeschränkte Verfügbarkeit: Relevante Daten sind möglicherweise nicht vorhanden oder nur kostenpflichtig bzw. zugangsbeschränkt verfügbar.

Primär- und Sekundärforschung in der Marktforschung

In der Marktforschung spielen beide Ansätze eine zentrale Rolle bei der Analyse von Märkten, Wettbewerbern und Kundenverhalten.

Sekundärforschung in der Marktforschung

Unternehmen starten typischerweise mit Sekundärforschung, um einen Marktüberblick zu gewinnen:

  • Marktgröße und Wachstumsraten aus Branchenberichten

  • Wettbewerbsanalyse anhand von Geschäftsberichten und Pressemitteilungen

  • Konsumtrends aus Trendstudien und Social-Media-Analysen

  • Demografische Daten zur Zielgruppendefinition

Praxisbeispiel: Ein Start-up plant den Markteintritt mit einem nachhaltigen Getränkeprodukt. Zunächst werden Marktberichte zur Getränkebranche, Studien zu Nachhaltigkeitstrends und demografische Daten zur Zielgruppe analysiert, um Marktpotenzial und Wettbewerbssituation einzuschätzen.

Primärforschung in der Marktforschung

Wenn die Sekundärforschung nicht alle Fragen beantwortet oder spezifische Informationen fehlen, folgt die Primärforschung:

  • Kundenbefragungen zur Produktakzeptanz

  • Mystery Shopping zur Überprüfung der Servicequalität

  • Produkttests mit der Zielgruppe

  • Preissensitivitätsstudien

Praxisbeispiel: Das gleiche Start-up führt anschließend Fokusgruppen mit potenziellen Kunden durch, um Geschmackspräferenzen, Preisbereitschaft und Verpackungsdesigns zu testen. Eine Online-Umfrage mit 1.000 Teilnehmern validiert die Erkenntnisse quantitativ.

Die typische Abfolge in der Marktforschung

  1. Sekundärforschung: Marktanalyse, Wettbewerbsanalyse, Trendidentifikation

  2. Primärforschung (qualitativ): Fokusgruppen, Tiefeninterviews zur Hypothesenbildung

  3. Primärforschung (quantitativ): Großangelegte Umfragen zur Validierung

  4. Synthese: Integration aller Erkenntnisse in die Entscheidungsfindung

Primär- und Sekundärforschung: Beispiele für Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und Doktorarbeiten

In wissenschaftlichen Arbeiten wie Bachelorarbeiten hängt die Wahl zwischen Primär- und Sekundärforschung von der Forschungsfrage, dem Erkenntnisinteresse und dem jeweiligen Fachbereich ab. Während die Primärforschung vor allem in empirisch ausgerichteten Disziplinen zur gezielten Erhebung neuer Daten eingesetzt wird und typischerweise im Methodik-Kapitel beschrieben ist, dient die Sekundärforschung der Analyse bereits vorhandener Studien, Statistiken und Datensätze und bildet häufig die Grundlage des theoretischen Rahmens oder des Forschungsstands. In vielen Arbeiten werden beide Ansätze kombiniert, um bestehendes Wissen einzuordnen und durch eigene empirische Ergebnisse zu ergänzen.

Betriebswirtschaftslehre (Marketing)

Thema: Einführung eines neuen Produkts in den deutschen Markt

Sekundärforschung:

  • Analyse von Marktberichten zur Branchenentwicklung

  • Auswertung von Verkaufszahlen ähnlicher Produkte

  • Studium von Wettbewerber-Websites und Kundenbewertungen

Primärforschung:

  • Online-Befragung von 500 potenziellen Kunden zur Kaufbereitschaft

  • Fokusgruppen zur Produktgestaltung

  • A/B-Testing verschiedener Werbekampagnen

Sozialwissenschaften

Thema: Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt

Sekundärforschung:

  • Auswertung amtlicher Statistiken zu Beschäftigungsquoten

  • Analyse bestehender Studien zu Integrationsprogrammen

  • Recherche von Gesetzestexten und Förderprogrammen

Primärforschung:

  • Interviews mit 30 Geflüchteten zu ihren Erfahrungen

  • Befragung von Arbeitgebern zu Einstellungspraktiken

  • Teilnehmende Beobachtung in Integrationskursen

Gesundheitswissenschaften

Thema: Effektivität digitaler Gesundheitsanwendungen bei chronischen Erkrankungen

Sekundärforschung:

  • Systematische Literaturrecherche zu bisherigen Studien

  • Auswertung von Krankenkassendaten zur App-Nutzung

  • Analyse von Nutzerbewertungen in App-Stores

Primärforschung:

  • Kontrollierte Studie mit 200 Patienten über 6 Monate

  • Interviews mit Ärzten zur Akzeptanz digitaler Anwendungen

  • Tagebuchstudien zur Compliance und Nutzererfahrung

Wirtschaftsinformatik

Thema: Akzeptanz von KI-gestützten Chatbots im Kundenservice

Sekundärforschung:

  • Auswertung bestehender Technologieakzeptanzmodelle

  • Analyse von Fallstudien erfolgreicher Implementierungen

  • Recherche technischer Spezifikationen verschiedener Chatbot-Systeme

Primärforschung:

  • Usability-Tests mit 50 Probanden

  • Befragung von Kundenservice-Mitarbeitern

  • Logfile-Analysen realer Chatbot-Interaktionen

Wann sollten Sie welche Forschungsmethode wählen?

Die Entscheidung zwischen Primär- und Sekundärforschung hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Wählen Sie Sekundärforschung, wenn...

  • Ihr Thema bereits gut, auch anhand von Sekundärdaten, erforscht worden ist und umfangreiche Literatur existiert

  • Sie einen schnellen Überblick über ein Themengebiet benötigen

  • Ihre zeitlichen oder finanziellen Ressourcen begrenzt sind

  • Sie historische Entwicklungen oder Längsschnittdaten analysieren möchten

  • Bereits repräsentative Datensätze verfügbar sind

  • Sie Ihre Forschung in einen theoretischen Rahmen einbetten möchten

Wählen Sie Primärforschung, wenn...

  • Zu Ihrem spezifischen Thema keine ausreichenden Daten existieren

  • Sie aktuelle, spezifische Informationen benötigen

  • Vorhandene Daten nicht zu Ihrer Fragestellung passen

  • Sie neue Zusammenhänge erforschen oder Hypothesen testen möchten

  • Die Qualität verfügbarer Sekundärdaten oder sekundäre Forschungsergebnisse fragwürdig ist

  • Sie explorativ ein neues Phänomen untersuchen

Die goldene Regel

In den meisten akademischen Arbeiten ist eine Kombination beider Ansätze optimal: Beginnen Sie mit Sekundärforschung für den theoretischen Rahmen und ergänzen Sie mit Primärforschung für spezifische Erkenntnisse.

Kombination von Primär- und Sekundärforschung

Die geschickte Kombination beider Forschungsansätze führt zu den besten Ergebnissen. Dieser Mixed-Methods-Ansatz nutzt die Stärken beider Methoden und kompensiert ihre jeweiligen Schwächen.

Der typische Forschungsprozess

Phase 1: Sekundärforschung als Grundlage

  • Systematische Literaturrecherche zum Thema

  • Identifikation von Theorien, Modellen und Konzepten

  • Analyse des aktuellen Forschungsstands

  • Erkennung von Forschungslücken

Phase 2: Primärforschung zur Vertiefung

  • Erhebung spezifischer Daten zur Forschungsfrage

  • Test von Hypothesen aus der Literatur

  • Exploration neuer Aspekte

Phase 3: Integration und Synthese

  • Verknüpfung der Sekundär- und Primärdaten

  • Interpretation im Kontext bestehender Forschung

  • Ableitung neuer Erkenntnisse

Beispiel einer kombinierten Forschung

Masterarbeit: „Erfolgsfaktoren digitaler Transformation in mittelständischen Unternehmen"

Sekundärforschung (4-6 Wochen):

  • Literaturrecherche zu Transformationsmodellen

  • Auswertung von Studien zur Digitalisierung im Mittelstand

  • Analyse von Statistiken zur Digitalisierungsrate

Primärforschung (8-10 Wochen):

  • Qualitative Interviews mit 20 Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen

  • Online-Umfrage mit 150 Führungskräften zur Validierung

  • Fallstudien von drei Unternehmen in unterschiedlichen Transformationsphasen

Ergebnis: Ein evidenzbasiertes Modell, das theoretische Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen verbindet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Literatur

  • Dubey, U. K. B., & Kothari, D. P. (2022). Research methodology: Techniques and trends. Chapman and Hall/CRC.

  • Topolewski, S., Górnikiewicz, M., & Stawarz, P. (2023). The literature review and the “Desk Research” methods in studies conducted in social sciences with particular emphasis on security, political, and international relations studies. Studia Wschodnioeuropejskie, 2(19), 280-288.

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